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ELB 02 – Aktives Zuhören Teil 1 – die Vorbereitung

The Story:

Es ist der Klassiker, da geht man nur nach nebenan, schon treffen 3 Leute auf mich, die 5 Sachen von mir wollen, und natürlich erwarte ich von mir, dass ich alle Blitzantworten parat habe. Oder?

Natürlich ist niemand von Euch so dumm, weiß er/sie doch aus schmerzhafter Erfahrung, dass solche Form der Absprache nur eine Folge hat: mehr Verwirrung, also ist klar, solche Flurabsprachen, funktionieren nicht, sie haben noch nie funktioniert und sie werden auch nie funktionieren.

Natürlich sind im Ausnahmefall kurze Absprachen für ganz kurze Bestätigungen möglich aber brauchen tun wir etwas Anderes und dabei scheint uns der zeitliche Spielraum Grenzen zu setzen. Scheint - denn in Wirklichkeit ist das keine Zeitfrage, sondern eine Emotionen-Frage. Richtig angewandte Emotionen verkürzen und intensivieren das Gespräch, und machen das Ergebnis nachhaltiger.

Um das zu erreichen, ist die Technik "Aktives Zuhören" unerlässlich und der erste Schritt.

the Idea: Aktives Zuhören

... im WIBR-Modell nach Lyman K. Steil besteht das aktive Zuhören aus 4 Elementen:

  1. Wahrnehmung (W): Das interessensabhängige Hören, Begreifen von Körpersprache und Gesichtsausdruck.
  2. Interpretation (I): Sinnerfassung und Deutung auf der Grundlage eigener Glaubenssätze und Erfahrungen.
  3. Bewertung (B): Annahme oder Ablehnung aufgrund eigenen Wissens sowie eigener und gesellschaftlicher Wertvorstellungen, die durch Erfahrungen und Kultur geprägt sind.
  4. Reaktion (R): In einer vom Zuhörer als angemessen empfundenen Form wird auf das Gesagte verbal oder nonverbal geantwortet. Dabei gilt das kommunikationstheoretische Axiom von Paul Watzlawick, nach dem auch Nicht-Verhalten als Kommunikation wahrgenommen wird.

Wahrnehmung, Interpretation, Bewertung und Reaktion bilden eine logische Folge von Kompetenzen, die Voraussetzung für ein Gespräch mit Resultat sind. In der Theorie absolut richtig, aber ist das in der Praxis realistisch? Was passiert, wenn (wie üblich) so viele Dinge erledigt werden wollen, dass die Zeit für ein solches Gespräch nicht zu reichen scheint?

Der Vorteil im Umgang mit Emotionen ist, dass wir eine Vielzahl sonst rationaler Prozesse im Unterbewusstsein ablaufen lassen können, vorausgesetzt, wir haben unser Unterbewusstsein daraufhin trainiert.

Mach wir den Einstieg ins Gespräch also ganz praktisch in 2 Schritten:

Schritt 1: Loslassen, die Gesprächsvorbereitung

Bevor wir uns wirklich einer anderen Person zuwenden können, müssen alle anderen Themen wirklich Geist und Gefühl verlassen. Das ist ein Übungsfaktor, der uns mit der Emotion konfrontiert, die wir als "gar nicht einfach" empfinden: Die Trauer. Wie das Wort schon sagt, brauchen wir Vertrauen:

  • damit uns die wichtigen Dinge, mit denen wir uns gerade beschäftigen, wieder einfallen
  • damit uns das Loslassen nicht aus unserer Zielfokussierung herausnimmt
  • und dass ein weiteres Thema, nämlich das, was uns gerade gegenübersteht, nicht zu viel wird.

Hört sich alles ein bisschen depressiv an? Ja, denn diese Art von Befürchtungen sind Anzeichen für einen Mangel an Loslassen und wie das Flugzeug als Symbol der Trauer schon andeutet: Kein Abflug ohne Loslassen, keine Freiheit ohne Trauer.

Dabei geht es nicht darum, die Dinge auf ewig loszulassen, sondern nur JETZT, in diesem Moment, aber das komplett. Die Trauer ist ein großer Untertsützer bei jeder Art von großen und auch klitzekleinen Veränderungen. Wer sie beherrscht, entwickelt gerade als Führungspersönlichkeit eine große Kraft. Lasst uns die Technik dazu anschauen:

Wie gehen wir in die Trauer?

Trauer bedarf vieler Übung, insbesondere wenn sie mit einer gewissen Leichtigkeit daherkommen soll. In der Trauer gibt es keine Angst, keine Abwehr und auch weder Freude noch Erstaunen (probiert es im Basic-Circle einmal aus). Wir können den Einstieg in die Trauer bewusst durch 3 Ansätze üben und unterstützen:

  • körperlicher Ansatz: Einmal tief durchatmen, bis in den Bauch, und dabei den Bauch ganz bewusst entspannen.
  • mimischer Ansatz: Das Gesicht entspannen, Sehnsuchtsfalten auf die Stirn
  • gedanklicher Ansatz: Wie schade ... es ist nicht zu Ändern.

Im Trockentraining eignet sich eine sitzende, ruhende Position. Später, mit der Übung, ist nichts davon mehr erforderlich. Für die meisten Prozesse reicht eine Trauerphase von 1-3 Sekunden, danach bin ich offen dafür, eine neue Person, ein bekanntes Problem oder auch eine neue Chance entgegen zu nehmen.

Schritt 2: In Beziehung gehen, Den Anderen empfangen

Empfangen, das hört sich etwas theatralisch an, ist es aber nicht, wenn wir es als 10-Sekunden-Spanne verstehen. Ihr erinnert euch: Wenn ich mit dir in ein aktives Gespräch gehe, denn bin ich "Dein Fan".

Wer mit Fans Erfahrungen hat mag jetzt erschrocken zurückweichen, aber gehen wir mal davon aus, dass du als Fan eine gute Figur machen wirst. Freude ist der ultimative Beziehungsmotor. Ein kurzer Austausch von "Wie geht es dir, was brauchst du" kombiniert mit "ich Schätze dich für..." schafft immer den richtigen Humus um erfolgreiche Kommunikation einzupflanzen. Allerdings wird das ganze als Farce empfunden, wenn deine Emotionen nicht die gleiche Sprache sprechen.

Wie also gehen wir in die Freude?

Die Freude gehört zu den langsamen Emotionen, ist also etwas schwerer auf den Punkt zu bringen, wenn man sich nicht gerade in Hochstimmung befindet. So wirken die U"Unterstützer" bei der Freude erst, wenn man ein bisschen bei Ihnen bleibt. Die Unterstützer der Freude sind:

  • der mimische Ansatz: aus dem noch von der Trauer entspannten Gesicht heraus, die Wangen ein bisschen anheben, bis die die die äußeren Ringmuskeln der Augen reagieren (Krähenfüsse)
  • der gedankliche Ansatz: an ein gutes Ergebnis denken, etwas, was dich so richtig zufrieden gemacht hat, was die das Gefühl gab, am Ziel deiner Wünsche zu sein
  • der körperliche Ansatz: mach es dir Bequem, als wolltest du ein gutes Glas Wein, ein Tasse  Kaffee oder etwas anderes genießen

Wichtig ist, dass die deine Emotionen unabhängig von deinem Gegenüber gieren können. Platt formuliert: Egal ob es dein bester Freund oder ein absolutes Arschloch ist, deine Freude sollte sich nicht unterscheiden.

In den meisten Fällen ist es aber nicht so platt, uns so kann zuweilen auch das Bewusstsein für die Vorzüge des Gegenüber der eigenen Freude aufhelfen. Der Vorteil der Freude, es gibt darin keinen Widerstand, keine Hektik sondern einfache, klare Hinwendung (probiert es im Basic-Circle einmal aus).

the Exercise:

Aktives Zuhören besteht emotional aus 4 Elementen, eins haben wir dafür schon aufgebaut, die Freude. Die anderen 3 werden wir in der nächsten Folge ausprobieren: Erstaunen, Furcht und Verachtung.

Die Aufgabe in dieser Woche: Den "Einstiegshaken" zu üben. Dafür übt ihr 3x täglich einfach kurz in die Trauer, und danach in die Freude zu gehen. Da die beiden komplementär zueinander stehen, ist das ein schönes Wechselspiel:

  1. Loslassen - Trauer
  2. in Beziehung gehen - Freude

Probiert nach den Trockenübungen, dieses Verfahren anzuwenden, wenn ihr Gespräche startet und überprüft die Veränderung, die davon ausgeht. Schaut auch mal, ob ihr in der Technik schneller werdet. Als Benchmark: Geübte Practitioner schaffen das in 3-4 Sekunden mit dem gleichen Ergebnis, das sie vorher in mehr als einer Minute erreicht haben..

Viel Spaß! ... und wir freuen uns auf deine Kommentare!

In der nächsten Lektion werden wir genau an dieser Stelle weitermachen, und die Freude als Anlass nehmen, drei weitere Emotionen aufzubauen.

 

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