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EED 06 – Aktives Zuhören Teil 2 – das Gespräch

 

EED – The training after the training

The Story:

Kennen Sie "Fiddler on the Roof" (auf deutsch Anatevka)? In einem Dialog werden, der Tradition folgend, die Bedingungen für eine Hochzeit verhandelt. Zwei Männer verhandelt über "Sie", die der eine haben und der andere nicht hergeben will. Dabei spricht der eine von seiner Kuh und der andere von dessen Tochter. Natürlich klärt sich das Missverständnis auf, aber es ist ein wundervolles Beispiel

  1. für ein großartiges Musical
  2. für ein Missverständnis das für viel Unordnung sorgt.

Uns interessiert letzteres, denn wir machen heute die Fortsetzung zum Thema aktives Zuhören. Sie haben sicherlich fleißig mit dem "Einstiegshaken" geübt. Der Einstieg in das Gespräch entscheidet viel über die Qualität Verlaufs.

Mit dem Einstiegshaken sind wir  in der Freude angekommen und signalisieren unserem Gesprächspartner eindrücklich, dass Thema und Person wichtig und richtig für Sie sind. Jetzt steigen wir in unser Gespräch so richtig ein. Anwendbar ist das Prinzip vom kürzesten Mikro-Gespräch, bis zur längeren Unterredung.

 

 

the Idea: Aktives Zuhören - Das Gespräch

Nach dem WIBR-Modell nach Lyman K. Steil verläuft ein Gespräch dann aktiv und erfolgreich wenn Wahrnehmung (W), Interpretation (I), Bewertung (B) und Reaktion (R) bewusst vollzogen werden. Mit Emotional Leadership unterstützen Sie dieses Konzept excellent durch 4 Emotionen:

Dabewurdei Trauer im Vorfeld Vertrauen aufgebaut, und nun liefert die Freude (grün) als erste Emotion des aktiven Zuhörens einen Rahmen von Annahme, in dem ein offenes Gespräch  stattfinden kann.

Jetzt geht es weiter mit der nächsten benötigten Emotion:

 

Schritt 1: Neugier, ich will wirklich verstehen was dich bewegt

Die gelbe Emotion ist, wir erinnern uns, das Erstaunen. Wenn mich Neugier treibt, bin ich im "Lernmodus", die optimale Voraussetzung dafür, auf Anhieb alle Zwischentöne und Botschaften zwischen den Zeilen zu enttarnen. Gleichzeitig braucht es Aufmerksamkeit, denn zuviel davon reduziert die Freude auf das Minimum lässt  auch die Aufmerksamkeit absacken. Die Neugier beinhaltet weder Kritik noch Analyse, sie ist einfach die Scanner-Emotion, die gierig alles aufsaugt was sich bieten könnte.

Die Neugier bringt die Wahrnehmung auf den Toplevel. Wer mit hoher Performance arbeitet ist gut beraten, diese Emotion wendig auf uns abbauen zu können, andernfalls wird er in die Abwehr gehen, die bekanntermaßen ein schlechtes Mittel zum kommunikativen Austausch ist. Unter Abwehr findet keine Kommunikation statt.

 

 

 

Wie gehen wir in das Erstaunen?

Erstaunen ist eine schnelle Emotion, daher leicht zu erzeugen aber etwas schwieriger zu kontrollieren. Wir können den Einstieg in das Erstaunen bewusst durch 3 Ansätze üben und unterstützen:

  • gedanklicher Ansatz: Wow - das ist ja unglaublich, so etwas habe ich noch nie erlebt
  • mimischer Ansatz: Die Augenbrauen heben, das Gefühl haben, als wachsen die Augen
  • körperlicher Ansatz: Den Mund öffnen und überrascht einatmen, einen Schritt zurückgehen, etwas "Aufgeregtheit" im Bauch zulassen

Wenn Sie jetzt immer noch nicht erstaunt sind ..., dann probieren Sie es doch mit diesem Video ... man hält es kaum aus, diesen Clip zu sehen, ohne ins Erstaunen zu geraten. Und genau darin liegt die Herausforderuung: Wieder Nüchtern werden. Das geht mit der nächsten Emotion ganz leicht, denn sie ist ein Komplementär.

Schritt 2: bewusst Wahrnehmen, Risiken identifizieren

Aufmerksamkeit ist eine wichtige Zutat zur Auswertung von Informationen. Diese Emotion ist dafür Zuständig, Sicherheit zu schaffen. Um das zu erreichen, sortiert sie zwischen wichtig und unwichtig, Gefährlich und ungefährlich, relevant und irrelevant, riskant und sicher. Diese Kraft kommt aus der Furcht, nicht zu verwechseln mit der Angst, bei der sich hohe Aspekte der Furcht mit Besessenheit verknüpfen.

Die Furcht trägt hohe Präzision und Präsenz in sich. In starken Formen scheint es, als würde sich die Zeit verlangsamen, als könnten sich schnelle Ereignisse in eine Zeitlupe portieren. Die Furcht ist schnell aufgerufen und praktisch bewegungsfrei. Sie nimmt zusammen mit der Freude die Geschwindigkeit aus der Situation (probiert es im Basic-Circle einmal aus).

Wie also gehen wir in die Furcht?

Die subtraktive Methode: Reduzieren Sie Angst um die "Ich halt das nicht aus"-Komponente. Angst hat praktisch schon jeder mal gehabt, nur, in die Angst mischt sich die Verteidigung mit ein.In der Zeit, als Gottesfurcht noch ein klarer Begriff war wusste man genau, dass es sich dabei um etwas handelt, dem man nicht ausweichen kann und darf.

Furcht hat etwas extrem Konfrontatives und ist darauf bedacht, die Situation abzusichern.

  • der gedankliche Ansatz: Achtung!!!! - volle Aufmerksamkeit, hier kann es gefährlich werden, alle Antennen auf Empfang
  • der mimische Ansatz: spannen Sie die Lippen in Richtung der Ohren, heben Sie die oberen Augenlieder und spannen sie die unteren
  • der körperliche Ansatz: Wenn Sie schon einmal Achterbahn gefahren sind: Das ist der Moment des Fallens vom höchsten Punkt und ein starker Druck im Bauch

Die Furcht kann in hoher Form zu einer extremen Form der Wahrnehmung führen, deshalb sind Menschen häufig fasziniert. Das Schausteller-Gewerbe gäbe es gar nicht, wenn Menschen sich diesem Thrill nicht gerne aussetzen würden. Der Moment höchster Furcht ist gleichzeitig ein Moment höchster Vitalität.

So können Sie die Furcht üben, für das aktive Zuhören brauchen wir indes nur ein gut wahrnehmbare Prise die uns darüber aufklärt, was wir von den Darstellungen unseres Gesprächspartners zu halten haben. Die Furcht lässt uns relevante Rückfragen stellen, sodass wir ein "sicheres" Gefühl in Hinblick auf die Einschätzung und Interpretation des aktuellen Themas erhalten.

Wir sind als gut Vorbereitet für die bewertende Analyse.

Zwischennotiz

Der große Vorteil bei der Nutzung der Emotionen in dieser Art von Führungstechnik ist, dass sie mit dem einmal geübten Gefühl eine große Fülle von gedanklichen Schritten sparen, und ihre gedankliche Energie ganz auf das sachliche ausrichten können. Bisher konnten dies nur Menschen mit einer natürlichen Begabung dafür, und meist auch erst in höherem Alter, also mit der Erfahrungsreife. Das mag ehrwürdig sein, aber es ist für uns von großem Vorteil, wenn wir diesen Prozess schon früh in unser Handeln integrieren können. Das macht uns erfolgreicher und entspannter zur gleichen Zeit und es macht uns zu attraktiven Menschen, mit denen man gerne zusammen ist. Das Bedürfnis nach gelebter Emotionalität, dass sich in den letzten 20 Jahren enorm intensiviert hat, kann möglicherweise ein Vorbote einer ganz neuen Entwicklung in der Menschheitsgeschichte sein.

Schritt 3: Klarheit schaffen - Bewertung und Reaktion

Es ist die Emotion, die immer dann aufgefahren wird, wenn Nicht-Emotionalität eingefordert wird. Wir nennen sie in unseren Trainings liebevoll "die Kühlschrankeemotion". Sie ist so sehr auf die rationnale Verarbeitung aus, dass es scheinen könnte als wäre sie unemotional. Allerdings wäre dann auch die Arroganz unemotional und die so zu bezeichnen würde nicht jedem leicht von der Zunge gehen. Diese Emotion zieht eine scharfe Grenze zwischen mir selbst und dem Rest der Welt, so, dass ich mir meiner selbst bewusst werde.

Wie gehen wir in die Verachtung?

Diese Emotion kennen viele Menschen sehr gut, es ist genau das Verhalten, das bisher gefordertwurde, wenn man Sie bat sachlich zu werden

  • Der mimische Ansatz: Das ganze Gesicht bleibt entspannt. Einen Mundwinkel heben (ohne die Nase zu kräuseln), ggf. dazu die Augenbraue auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls anheben. Die verachtung ist im Gesicht immer asynchron.
  • Der gedankliche Ansatz: Ganz klar werden, kühl nachdenken, ganz analytisch - Diese Herangehensweise aber auch auf die vermeintlich unsachlichen Fakten richten, z.B. auf zu erwartende emotionale Reaktionen Anderer. Innere Fragestellung: Wie werden meine eigenen Werte berührt? Positv? Negativ?
  • Der körperliche Ansatz: Sich (selbst-)bewusst hinstellen. eine Hand nach vorne strecken (Handfläche nach außen) die andere Hand zwischen ausgestreckter hand und Körper, nach innen gedreht.

Die höchste Form der grauen Emotion führt zu einem arroganten Eindruck, also aufmerksam damit umgehen. In der Führung schaffen Sie mit dieser Emotion eine, in manchen Fällen sehr hilfreiche Distanz.

the Exercise:

Nachdem Sie diese Emotionen einzeln trainiert haben, wenden wir uns noch einmal dem WIBR-Modell nach Steil zu:

  • Wahrnehmung (W)
  • Interpretation (I),
  • Bewertung (B)
  • Reaktion (R)

Während (W) mit dem Erstaunen (gelb) ausgebaut wird, und (I) mit Furcht (rot) brauchen die letzten beiden Punkte eine Kombination rot und Grau.

Diese Kombination ist eine Komplementär-Kombination. Komplementär-Komplexe sind sehr stabile Kombinationen, die allerdings etwas Übung brauchen, bis sie einfach und schnell aufgebaut sind

Viele Trainingsteilnehmer machen gute Erfahrungen mit der folgenden Übung:

Schritt 1: Bauen Sie zuerst die Furcht auf. Schaffen Sie sich eine Art Briefkasten, (Bei der Furcht bietet sich der Bauch an). Halten Sie das Gefühl, und legen es aus den Gedanken in diesen Briefkasten.

Schritt 2: Bauen Sie jetzt die Verachtung vorsichtig auf, vielleich in ersten Schritt körperlich, und  wechseln Sie in den Brifkasten, ob die Furcht noch steht.

Schritt 3: Intesivieren Sie die Verachtung, und kontrollieren dabei immer wieder , wie es ihrer Furcht im Briefkasten geht.

Schritt 4: Die beiden Emotionen werden gemeinsam zu einer neuen, fühlbaren Realität. Versuchen Sie nach dieser Übung dieser Komlex-Emotion einen persönlichen Namen zu geben, unter der sie ihn schnell abrufen können.

Sollte das das parallel aufbauen von 2 Emotionen noch schwierig sein, lassen Sie sich nicht entmutigen, das braucht viel Übung. Sollte diese Reihenfolge nicht so gut funktionieren, beginnen Sie mit der Verachtung (Der Briefkasten ist hier bei den meisten Menschen der obere Kopf).

Das Ergebnis: Ein gut bereitetes Feld aus 4 Emotionen (die blaue Emotion ist bur noch sichtbar zur Erinnerung an den Einstieg). Freude liefert die Willkommens-Athmosphäre, Das Erstaunen, die Furcht und die verachtung werden im Wechsel eingestezt, Furcht und Verachtung dienen am Ende der Klarheit und Präzision des Ergebnisses.

Führen Sie ein Trainings-Tagebuch

  • Was hat gut geklappt?
  • Wann haben Sie das Prinzip das erste Mal in der Life-Situation ausprobiert?
  • Wann ging es daneben? Evtl. warum?
  • Wie nachhaltig bleiben die Absprachen/ Klärungen nach diesem Verfahren?

Viel Spaß und viel Erfolg - Bis zur nächsten Lektion!

 

 

EED 03 - Der meckrige Kollege EED 04 - Emotional prevention with joy

 

 

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