Neulich im Kommunikationsseminar…

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emotional seminarVor jedem Seminar verschicke ich ein paar Fragen, um mich auf die Gruppe und die Menschen vorzubereiten, mit denen ich die nächsten Tage verbringe. Welche Themen sind Ihnen besonders wichtig, wenn Sie an Kommunikation denken? Und die Antwort kommt immer – von gefühlt jedem 3. Teilnehmer.

Ich warte schon drauf. “Ich möchte lernen, sachliches Feedback zu geben”. Ich finde diesen Wunsch ja immer wieder erstaunlich. Ich dachte, wir haben bereits gelernt, dass Menschen nicht objektiv sein können – das ist mittlerweile Stand der Kommunikationswissenschaft. Warum wollen wir also sachliches Feedback geben? Glauben wir vielleicht, sachliches Feedback würde den anderen nicht verletzen? Wie könnte den so ein sachliches Feedback aussehen?

Da kommt mir direkt “Data” aus Star Treck – next Generation in den Sinn. Das könnte dann in etwa so klingen: “Ihre Leistung im Bereich Kundenumsatz im Jahr 2014 liegen nicht innerhalb des im Vorfeld definierten und akzeptierten Performance-Intervalls, alle Toleranzgrenzen mit einberechnet. Das Unternehmen erwartet eine Leistungssteigerung von Ihnen um 17{afbaf17a4a90ee447cd7b7159781b1990979c1d384f50533469287c4f650082e} innerhalb der nächsten 96 Tage!” Sprach’s und ging seiner Arbeit nach. War das sachlich? Ja, vielleicht.

Wollen wir das lernen?

Man müsste mal gründlich überlegen. Hat das Gegenüber dieses Feedback emotionsfrei empfangen und aufgenommen und zieht in absoluter und reinster Rationalität seine Schlüsse daraus, um den Performancezuwachs mit hoher innerer Motivation und viel Energie anzugehen? Na klar, Menschen lieben es, Informationen auf dem Sachkanal zu empfangen – besonders wenn es um die persönliche Anerkennung von Leistung oder Schlechtleistung geht. Oder etwa nicht? Wie könnte eine innere menschliche Reaktion auf dieses Feedback aussehen? Zum Beispiel “Aha” oder “Vollidiot” oder “du mich auch”?  Wenn es also auf der Empfängerseite nicht wirklich funktioniert,  bleibt immer noch die Frage der offen: war der Wunsch wirklich, wirklich ernst gemeint oder kriegen wir hier doch eher deutliche Hinweise auf eine emotionale Nervosität?

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