Kommunikative Kompression

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Kommunikative Kompression ist eine Technik, Kommunikation zu verkürzen und sicherer sowie nachhaltiger zu machen. Die sequentielle Abarbeitung von kommunikativen Anliegen ist in immer größer werdenden Interessen- und Aufgabengruppen eine kaum noch zu bewältigende Aufgabe, die immer häufiger zu schwerwiegenden und damit teuren Fehlern führt.

Die Ausgangslage

Teams sollen Aufgaben erfüllen. Grundlagen der Team-Entwicklung sollen nicht nur gute Teams entstehen lassen, sie sollen auch in einem dauerhaften Prozess dafür sorgen, dass das Team dauerhaft mit seinen wechselnden Anforderungen fertig wird.

Immer weniger Leute sollen immer mehr schaffen

Der klassisch hierarchische Ansatz ging davon aus, dass der Leiter des Teams für alles sorgt, was das Team braucht. Dazu gehörten unterschiedliche Ebenen der Ressourcen, die klare Ziel-Fokussierung, die Erfolgs-Überwachung etc.

Das gilt alles nach wie vor, und dennoch haben sich die Dinge von Grund auf verändert. Die Gründe sind bekannt: Wir leben in einer Welt, die an Komplexität gewonnen hat. Dadurch ist der Mensch und damit auch das Team weniger auf das Erledigen von Aufgaben konzentriert, als auf einen permanenten Zyklus aus Methodenentwicklung, Lernen, Kooperation und Erledigung.

In einer Zeit, in der sich die Bedürfnisse von Kunden in permanentem Fluss befinden, ist es erforderlich, Team und Kunden im permanenten Abgleich zu halten. Eine Aufgabe die mit klassischen Methoden von kognitivem Lernen und kognitiver Abstimmung nur noch mangelhaft zu stemmen ist.

Die Geschwindigkeit erhöhen

Durch schlankere Prozesse kann die Geschwindigkeit erhöht werden. Leider ist diese Methode am Ende, wenn eine bestimmte Unternehmensgröße überschritten wird. Der Versuch, Unternehmen in kleiner Einheiten zu unterteilen scheint nicht zum Erfolg geführt zu haben. Die Ergebnisse zeigten, dass sich Probleme nicht gelöst sondern nur verlagert hatten.

Flachere Strukturen

Weniger Hierarchie-Ebenen sollten das Problem lösen. Der Vorteil war schnell erkenntlich: Richtungsweisende Entscheidungen waren wesentlich schneller herbeizuführen, allerdings setzte schnell ein Overkill in den Flaschenhälsen ein: Die Verantwortlichen in diesen Strukturen wurden von einer Flut von Details überrollt, sodass sie kaum noch wirkliche Führung wahrnehmen konnten.

Sauberes Prozessmanagement

Die deutsche Kunst der Verordnungen und Regelungen ist immer der letzte Rückzugs-Punkt gegen das Chaos. “Wenn sich nur alle an die Abmachungen halten würden …”. Wenn es dann doch in die Hose geht, sprechen wir von Missmanagement, von einem Mangel an Controlling, wir rufen nach neuen Köpfen, versuchen Umstrukturierungen, beschuldigen falsche Werte, beschwören die gute alte Zeit, in der es nie so war, wie wir es gerne gehabt hätten …

VW hat echte “selbstverschuldete” Probleme im mehrstelligen Milliarden-Bereich, Die Deutsche Bank macht mehr als 6 Milliarden Verlust, Die Bundeswehr kann ihre Kampfjets nur noch am Tag fliegen – wegen einer neuen Cockpit-Software, deutsche Behörden versagen bei der Bearbeitung der Asylanträge, Europa  kann sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen in der Flüchtlingspolitik einigen …

Die Reihe der Beispiele ließe sich verlängern, fast beliebig und dann sind die Vorwürfe ganz schnell unterwegs. Wer hat schuld? Wer trägt die Verantwortung? Man hätte doch, man könnte doch, das sieht doch ein Blinder!

IST ES SO EINFACH?

Wie funktioniert kommunikative Kompression?

Entlassung!Bekannt ist der Begriff aus der Datenverarbeitung. Ursprünglich wurde dieses Verfahren entwickelt, um große Datenmengen auf kleinen Datenspeichern unterzubringen. Heute benutzen wir sie, um Filme trotz kleiner Bandbreite zu streamen. Dabei werden alle doppelten Informationen ausgefiltert, im zweiten Schritt alles, was sowieso keiner sieht usw.. Es ist ihnen eigentlich auch egal wie es funktioniert, Hauptsache der Film läuft ruckelfrei und eindrucksvoll. Das Leid der Cineasten: Details gehen verloren, die den Filmgenuss deutlich reduzieren.

Wenn es das also nicht ist, was verstehe ich dann unter kommunikativer Kompression?

Wenn Partner sich einig sind brauchen sie keinen Vertrag. Wenn sie sich uneinig sind, hilft auch der nicht.

Diese Weisheit ist ihnen sicherlich geläufig. Worin besteht also die Einigkeit? Was brauche ich für die Einigkeit?

Absprachen, egal ob schriftlich fixiert oder einfach mündlich getroffen, sind sehr unvollständige Wiedergaben des rationalen, also über den Kortex reduzierte Aussagen, die den Inhalt einer Vereinbarung abbilden sollen. Solche Vereinbarungen sind in gleichen Moment schlüssig, mit etwas Abstand betrachtet aber vielfach das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war.

Um das zu vermeiden, beauftragen wir Dritte, einen Blick drauf zu werfen, und den Blick eines Unbeteiligten den Objektivitätsgehalt zu erhöhen. Aber können Worte wiedergeben, woraus die Einigkeit bestand?

Kompetenter Einsatz von Emotionen zur kommunikativen Kompression.

Im Grunde ist es ein alter Menschheitstraum, mit einem Wahrheitsserum dem gegenüber zu entlocken, was er wirklich plant. Ein Serum brauchen wir indes nicht, wir brauchen nur einen guten Zugriff auf unseren Emotionalkörper.

Dieser kann durch die Empathie sehr gut zuordnen, was das Gegenüber antreibt, und zwar um so besser, je besser er seine eigenen Emotionen und deren Funktionen kennt. Die emotionale Verarbeitung hat nicht nur in Verhandlungen deutliche Vorteile. Neben der schnelleren Verarbeitung, beherrscht die Emotionalität die Komplexität. Sie vermag innerhalb von Bruchteilen von Sekunden, Massen von Informationen auf Konsistenz zu überprüfen und durch ein Unschärfe-Verfahren, die Top-5-Optionen zu ermitteln.

Der zweite Teil der Kompression liegt im Team-Management. Es ist gut wenn im Team unterschiedliche Kompetenzen zueinander finden. Aber wie kriegen wir sie synchronisiert? “Nun haben wir so fähige Köpfe – aber es funktioniert trotzdem nicht!”. Emotionalität ist in der Lage die Brücke zu bilden. Der emotionale Abgleich reduziert die verbale Absprache auf einen Bruchteil, Missverständnisse werden nicht durch Streitgespräche, sondern durch emotionale Fokussierung erreicht. Für die braucht es weder Stress noch Zwang, emotional kompetente Menschen können das Jederzeit. Meetings und Präsentationen können verkürzt werden, die daraus abgeleiteten Absprachen komprimiert und nachhaltig verankert und vor allem flexibilisiert werden.

Stellen Sie sich vor, ihre Mitarbeiter und Kollegen fühlen bereits was sie wollen, bevor sie es sagen, sie bereiten Dinge vor, die nur im Kontext eines bisher lediglich fühlbaren Ansatzes Sinn machen,, und das synchron. Utopie? Ja bisher noch, das wird sich aber bald ändern müssen.

Leider funktioniert das nur, wenn der eigene Emotionskörper unversehrt ist. Das ist in den seltensten Fällen gegeben, denn von Psycho-Hygiene halten wir nicht sehr viel. Dafür gibt es diverse Gründe. Psychologie, so glauben wir, hilft nicht, emotionale Aussagen halten wir für ungenau (was auch stimmt, eben wegen der mangelnden Psycho-Hygiene), eine Gesundung kommt nicht in Frage – braucht zu lange, ist also teuer.

Die Komplexität zwingt uns

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Dei Umstellung unserer Kompetenz in eine gesunde Mischung aus Rationalität und Emotionalität, sprich, der Weg in die kommunikative Kompression wird uns ein bisschen Zeit abverlangen, nicht mehr allerdings, als wir im Moment durch träge Entscheidungsprozesse, und damit vorprogrammierte Fehlentscheidungen unnütz verbrauchen, mit dem Unterschied, dass wir nach einer Zeit der emotionalen Bildung, in eine viel größere Ruhe geraten.

Fehler passieren immer, emotional fokussiert werden es deutlich weniger.

Wie erlernt man emotionale Kompetenz?

  1. Die Vermittlung der Technik für den Anwender gelingt in 1-4 Tagen, je nach Lernausgangslage und Anspruch an das Ergebnis. Die Ausbildung eines Sachbearbeiters geht wesentlich schneller als die eines Top-Leaders/Top-Managers.
  2. Die Lernergebnisse sind sehr schnell umsetzbar. Der Lernende braucht aber solange fachliche Begleitung (z.B. 1x im Monat), bis er in der Lage ist, seine Kompetenzen selbst weiter zu bringen. Das dauert zwischen 1 und 3 Jahren.
  3. Die Grundlagen sind Voraussetzung für die Weiter-Qualifizierung in Fachbereichen wie Emotionale Verantwortung, Emotionale Pädagogik, Emotionale Forschung und Entwicklung.

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