Fremdbewusst oder Selbstbewusst

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” … mir fehlt einfach das Selbstbewusstsein … ”

So oder ähnlich hören wir Sätze in der Reflexion von dem, was Menschen als Versagen empfinden. Es ist im Coaching ein Klassiker.

Auch ein Klassiker: ” … ich weiß was die Anderen von mir erwarten, dabei verlier’ ich den Kontakt zu dem was ich will, was meine Bedürfnisse sind.”

Interessanterweise gibt es für dieses Phänomen in der Umgangssprache keinen Namen. Wir nennemn es gerne

Fremdbewusstsein

Fremdbewusste Menschen brauchen ständig Feedback, um sich überhaupt noch bewusst zu sein, welchen Wert sie selbst haben, bzw. welche Bedeutung ihr Engagement hat oder was ihr Anteil am Ganzen ist. Als soziale Wesen ist Feedback selbstverständlich absolut notwendig für uns. Haben wir den Platz in der Herde nicht gefunden, fühlen wir uns meist als “Außenseiter”, ungeliebt und unbeachtet. In der Folge suchen wir die Aufmerksamkeit der Anderen und nutzen dafür eine Fülle von Strategien. Menschen, welche Aufmerksamkeit suchen, versuchen zu glänzen, zu jammern, zu meckern, ihre Umgebung mit schier endlosem Frohsinn zu betäuben, durch Höchstleistung zu beeindrucken, oder durch hierarchischen Aufstieg Aufmerksamkeit zu erhaschen.

Nur in seltenen Fällen geht die Strategie auf. Wir bleiben mit unserem Bewusstsein angstbasiert in der Wolke der von uns prognostizierten Wertesysteme der Anderen gefangen. Das Fremdbewusstsein entsteht also aus einem empfundenen Mangel und der fehlgeleiteten Hoffnung, bei meinem SELBST anzukommen, wenn “die Anderen” mir spiegeln, wer ich bin.

Selbstbewusstsein

Selbstbewusste Menschen sind angenehme Zeitgenossen. Sie scheinen immer Ruhe in sich zu tragen, reagieren selbst auf Angriffe moderat, haben die adäquaten Reaktion parat, und bekommen daher das was die Frembewussten sich so sehnlichst wünschen: Anerkennung.

Sie holen sich Ihren Lohn nicht ab, sie bekommen ihn geliefert – frei Haus, ohne Bestellung.

3 Schritte vom Fremdbewusstsein zum Selbstbewusstsein

Solange die Ursache des Mangels an Selbstbewusstsein nicht geklärt ist, bleiben die meisten Fremdbewussten in ihrem Spiel gefangen. Solange sie versuchen einen Mangel zu beheben, haben sie nur geringe Aussicht auf Besserung.

  1. Werden Sie sich bewusst, wo ihr Bewusstsein aufgehängt ist
    1. Haben Sie eine Vorstellung davon, was Sinn und Ziel ihres Lebens ist?
    2. Arbeiten Sie an der Umsetzung dieser Ziele?
    3. Befürchten Sie den Erwartungen Anderer nicht gerecht zu werden, ggf sogar dadurch in Not zu geraten?
  2. Dann sind Sie wahrscheinlich eher ein fremdbewusster Mensch und brauchen den Einstieg über klare Abgrenzung.
    1. Wir nennen diese Emotion in unserem Sprachraum “Verachtung”, das hört sich für Sie vielleicht böse an, ist es aber nicht.
    2. Entspannen Sie ihr Gesicht, und ziehen einen Mundwinkel leicht hoch und schauen was passiert. Stellen Sie sich eine Art kalte Grenzschicht zwischen Ihnen und Ihrer Umwelt vor.
    3. Wenden Sie sich gedanklich sich selbst zu, und erkennen Sie an was sie sind: Nichts Großes, nichts Kleines, einfach nur Sie selbst, das ist ganz ok. Sie gehören auf diese Erde so wie Sie sind.
    4. Sollte diese Erkenntnis bei Ihnen Tränen auslösen, dann ist das gut und richtig, wiederholen Sie ab 2.1 bis es leichter wird.
  3. Bleiben Sie in dieser Wahrnehmung und wenden Sie den Blick wieder nach draußen
    1. Keine Höflichkeiten, seien Sie nur dann freundlich, wenn Sei denken, der Andere hat es verdient, und kehren Sie immer wieder zu sich selbst zurück.
    2. Sie brauchen sich nicht zu verteidigen, werden Sie nur dann gereizt, wenn der Andere es brauchen könnte und sie es wollen. Sie brauchen sich nicht zu schützen, Sie haben per Geburtsrecht hier Ihren Platz.
    3. Üben Sie weiter, je länger Sie darin bleiben, desto mehr werden Sie die Bedürftigkeit verlassen.

Et violà: Sie sind Selbstbewusst

Bei vielen Menschen stellt sich der Erfolg bereits nach wenigen Wochen des Übens ein. Sie verstehen durchaus was die Anderen brauchen, Sie geben wenn Sie geben können, und empfangen, wenn Sie empfangen können, Sie ruhen bei sich selbst, und haben Ihren eigentlichen Wert jenseits von Erfolg und Qualifikation entdeckt. Es dauert meist nur wenige Wochen, bis ihr Umfeld Ihnen genau diesen Wert reflektieren wird, Sie aber bleiben, mit einem entspannten Lächeln bei sich selbst.

Selbstbewusstsein ist eine Emotion!

 

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