Produktive Trauer

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By Caliban (Own work) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia CommonsJeder Mensch erlebt sich selbst von Zeit zur Zeit in eine Situation des Kummers. Das passiert immer dann, wenn sich ein wichtiger Fixpunkt des eigenen Lebens verändert oder ganz wegfällt. Dabei sprechen wir von Trauer eigentlich nur, wenn ein geliebter Mitmensch stirbt, wenn wir eine große Liebe verlieren, oder bei ähnlich tiefgreifenden Erfahrungen unseres Lebens. Erfahrungen, von denen wir glauben, dass wir sie gar nicht machen möchten.

Abschied

Die Trauer hilft zu einem Prozess des Abschieds, an dessen Ende ein neuer Friede steht, eine neue Basis zu Gestaltung des Lebens. Dieser Vorgang ist häufig genauso nützlich wie ungeliebt. Unser persönliches Leben ist mit dem Kontrollverlust konfrontiert, und verknüpft sich bei vielen Menschen mit Schuldgefühlen. Auf diese Weise überwiegt in der Nachbeurteilung ein unwohles Empfinden, anstatt zu sehen, was aus der neuen Basis geworden ist. Durch dieses Verhalten verlängern wir den Trauerprozess, und verschlechtern die  die Erinnerung an dieses Erlebnis weiter. Daher erleben wir die Trauer fast nur noch dann, wenn sie so intensiv ist, dass sie sich über unseren Willen einfach hinwegsetzt.

sad_girlEinsamkeit

Wenn ein Mensch nicht trauern kann, hält er am Vorzustand fest, manche Menschen retten sich in die Illusion der vergangenen Wahrheiten, aber sie bleiben wie angenagelt in ihrer Lebensentwicklung stehen. Sie können Kummer und Verzweiflung nicht als Weg erkennen, jede Ermutigung wird als “niemand versteht mich” empfunden, letztlich führt das in die Einsamkeit, und am Ende dieses destruktiven Prozesses entsteht eine Art von Taubheit dem Leben gegenüber.

Wie wird Trauer produktiv?

Theoretisch ganz einfach: Üben Sie sich in der Trauer. Üben Sie den Abschied mit Leichtigkeit, am besten Anfangs von kleinen Dingen. In der Trauer trainierte Menschen sind jederzeit in der Lage, Optionen, Ideen loszulassen, sie “trauen” dem Leben zu, immer die sinnvollen Optionen parat zu haben. Solchen Menschen sind enorm flexibel und anpassungsfähig. Sie finden immer wieder Wege, wo der Urwald undurchdringlich scheint. Solche Menschen machen mit der Trauer gute Erfahrungen und sind immer bereit die kleinen und großen Trauerprozesse ihres Lebens und ihrer Arbeit zu durchlaufen.

Einsatz von Trauer im Unternehmen

Sie kennen die Trauer als Phase möglicherweise im Changemanagement. Es ist der Schritt, an dem viele Change-Prozesse scheitern, weil wir das “Loslassen” und das “Vorwärtskommen” gedanklich nicht zusammenbringen.

Unternehmen stehen ständig in Veränderungsprozessen, deshalb ist eine gesunde Trauer-Kultur gerade auch im Unternehmen unverzichtbar. Wenn diese Fähigkeit nicht entwickelt ist, passiert auch im Unternehmen genau das, was ich oben für einen einzelnen Menschen in einer Verlustsituation beschrieben habe.

Wie produktiv ist Trauer also?

Ich denke, die Frage ist damit beantwortet, nur eins noch: Wenn die Trauerkultur bei Ihnen fehlt und Sie sie gerne hätten – Sie ist erlernbar, auch in Ihrem Unternehmen, auch für Ihre Mitarbeiter und Führungskräfte..

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