Datenschutz und Facebook … vom Ernst des Spiels mit dem Feuer

(127)

Datenschutz war immer schon ein heikles Thema, gerade in Europa. Tief sitzen die Wunden der Vergangenheit, vom Missbrauch mit der Information, und der Angst vor der Manipulation der Massen. Das Rezept vor 100 Jahren: Bildung!

Gebildete Menschen lassen sich nicht so leicht manipulieren, und die Medien sollten zur Selbstkontrolle und Neutralität verpflichtet werden. Das funktionierte sehr gut, solange es das Internet nicht gab, solange Social-Media noch nicht erfunden war. Nun sehen wir uns heute einer neuen Gefahr ausgesetzt, der Macht der Dateninhaber. Durch gezieltes Profiling können Interessen und politische Aussagen so gelenkt werden, dass “das Volk” JUHU ruft. Danach wird dann fleißig nach eigenem Gutdünken regiert. So oder ähnlich wäre die Angstvision, die dieser Sorge zugrunde liegt.

Der Sieg der Populisten

Wie konnte es dazu kommen? Sicher, seit der Flüchtlingskrise tauchen immer mehr Rechts-Populisten am politischen Horizont auf. Sie gelangen in die Parlamente, mit z.T. großen Stimmanteilen, und zwingen die alten Parteien selbst in den Populismus. Noch vor einiger Zeit wäre ein Satz in der Öffentlichkeit “Der Islam gehört nicht zu Deutschland”  undenkbar aus dem Mund eines deutschen Ministers gewesen.

Aber, was machen Populisten eigentlich? Sie machen “eine Politik, die mit scheinbar einfachen Lösungen die Gunst der Bevölkerung zu gewinnen versucht.” Aber warum lassen sich die so hoch gebildeten Europäer auf so etwas ein? Sind wir nicht ausreichend Informiert? Wen halten wir für wirklich glaubwürdig? Wie demokratiefähig sind wir eigentlich und wen werden wir in Zukunft wählen und warum? Das sind fast blasphemische Fragen. Aber vielleicht ist es gerade der blühende Populismus, der uns genau diese Frage stellt!

Das Spiel mit den Emotionen

Wir haben uns in unserer Bildung stark darauf konzentriert, rational-analytische Fähigkeiten zu entwickeln, natürlich ist auch “Teamgeist” gefragt, was unter Anderem bedeutet, die eigenen Ziele der Gruppe unterzuordnen – ein erfolgreiches und wie ich meine notwendiges Prinzip. Und wenn es um die rationale Bildung geht, dann haben wir einen hohen Stand erreicht, der aber dennoch nicht verhindert, dass wir in großen Teilen immer noch den Heilsbringern unserer Welt auf den Leim gehen. Solche Heilsbringer und ihre Botschafter spielen mit uns z.T. offen, z.T. subversiv, sie holen sich aus den Sozialen Medien unsere tiefsten Träume hervor, machen sie zur Wahlkampfrede und – gewinnen Wahlen! Emotionen haben einfach große Kraft und solange sie uns nicht bewusst sind, sind wir ihnen ausgeliefert. Jeder der in einem Team arbeitet weiß das, jeder der Führungsaufgaben hat ist damit konfrontiert, und die Geschichte lehrt uns das allemal. Gibt es etwas, das wir dagegen tun könnten?

Souveräne Persönlichkeiten lassen sich schwer manipulieren

Ein Mensch, der über für ihn selbst transparente Gefühle verfügt, trifft souveräne Entscheidungen. Diese Option ist bei uns Menschen von Natur aus angelegt. Der Urmensch war auf die tief verbundene Wahrnehmung seiner Umwelt angewiesen, um zu überleben, das Unterholz zu durchschauen und Dinge wahrzunehmen, die über die 5 Sinne nicht verfügbar sind. Seine Gefühle halfen ihm zur Abgrenzung, zum Angriff im richtigen Moment, zur Ruhe zur rechten Zeit und zur höchsten Aufmerksamkeit, wenn Unklarheit im Verzug war und verliehen ihm eine Form der Empathie, die Absichten Anderer schon abschätzen konnte, bevor es zum möglicherweise gefährlichen Kontakt kam.

Wenn wir in Unternehmen Menschen trainieren, ihre Emotionen klar wahrzunehmen, und sie auch gezielt zu steuern, kommt wiederkehrend eine Aussage wie: “meine Güte, wenn ich das vorher gewusst hätte, das macht die Dinge ja viel einfacher und logischer!” Eine gezielte Emotionalität hilft bei den täglichen Entscheidungen, in Meetings, in allen Kommunikations-Aufgaben, erhöht die Umsetzungsfähigkeit, schafft Unmissverständlichkeit und das Selbstbewusstsein, jede seltsam anmutende Situation zu hinterfragen. In Kombination mit unserer rational-analytischen Bildung formt sich auf diese Weise eine Persönlichkeit, die Verantwortung für die eigene Entscheidung übernehmen kann, die sich vor niemandes Karren spannen lässt und eine Welt schaffen kann, in der Teamgeist und Unabhängigkeit kein Widerspruch sind.

Datenschutz als Softskill

Als die Schulpflicht eingeführt wurde war das für viele Menschen undenkbar, viele hielten es für eine Dummheit. Heute wissen, es war ein notwendiger Schritt. Was wäre, wenn wir uns heute entschließen würden, auch die emotionale Bildung zum Status-Quo zu erklären? Die Sehnsucht nach einer emotionalen Stabilität ist nicht nur in den Unternehmen gefragt, sie betrifft jeden Menschen der Teil einer Gesellschaft ist.

Vielleicht wäre das ja der Schlüssel, um “das Volk” so klever zu machen, dass es all die Orbans, Trumps, Berlusconis und Erdogans durchschaut. Die emotionale Bildung für Alle ist ein längerer Weg, die Frage ist was passiert, wenn wir ihn nicht gehen? Werden wir den Schwelbrand der Manipulierbarkeit weiter akzeptieren und mit seinen Folgen umgehen, oder wählen wir den Weg des Schutzes durch Entwicklungshilfen in der Ausbildung der Persönlichkeit des Einzelnen? Souveräne Menschen haben einen eingebauten Datenschutz, denn sie wissen was sie veröffentlichen, und sie lassen sich nicht leicht manipulieren und können sogar geeignete Maßnahmen zum Schutz anderer entwickeln. Daten werden auch in Zukunft geklaut werden. Das wird sich selbst mit der Krypto-Technologie nicht wirksam verhindern lassen. Datenschutz? Ja, den sollten wir ernst nehmen, aber auf die Technik allein zu vertrauen wäre vielleicht dumm.

Ein Aufbruch in eine Zukunft mit überwiegend souveräner Bevölkerung würde nicht nur die Datensicherheit signifikant verbessern.Vielleicht wären wir mit solchen Softskills ausgestattet sogar in der Lage, aus dem Internet so etwas wie eine international einheitliche rechts-konforme Zone in Einigung auf nationaler und Internationaler Ebene herbeizuführen. Wenn wir das schaffen, dann wird uns auch noch vieles Andere gelingen.

Stefan Sohst – Speaker, Trainer, Wissenschaftler

Ich wünsche Ihnen einen emotionalen Tag.

Stefan Sohst

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.