Stefan Sohst (02.02.2015 10:00 496)

Pädagogik und Emotionalität

bunte Kinderhände vor SchultafelGerald Hüther sagt, dass Begeisterung der stärkste Lernmotor ist. Jeder Lehrer, jeder Pädagoge kann diese Aussage evaluieren. Was für Schüler gilt, gilt für alle Menschen. Wir brauchen unsere Emotionalität, um unser Leben zu gestalten, und ohne Lernen gibt es keine Gestaltung.

Auf der anderen Seite sagen uns Statistiken, dass wir gerade einen großen Teil unserer Kinder und Jugendlichen “verlieren”. Gibt es zu viele junge Menschen, die sich mit unserer Gesellschaft gar nicht mehr identifizieren können? Wer ist verantwortlich? Die Eltern? Die Schule? Die Pädagogik? Wir alle?

Statistik

Diese Statistik fokussiert sich zwar auf die Depression, kann aber als Benchmark dienen um einer Herausforderung in die Augen zu schauen:

  • In Westeuropa und den USA erkranken bis zu 20% der Jugendlichen im Verlauf der Pubertät an einer Depression
  • Ungefähr 10-15% dieser Jugendlichen haben auch danach immer wieder depressive Episoden oder dauerhafte Depressionen.
  • Bei ca. 8% der Erkrankten dauert die Depression ca. ein Jahr lang an. Die meisten Jugendlichen haben jedoch mehrere kurze depressive Episoden.
  • Ca. 2% entwickeln dabei eine Dysthimia, einer milderen aber lang anhaltenden Depression. Ebenfalls 2% haben Bipolare Störungen.
  • Ca. 30% haben im Zusammenhang mit der Depression, also entweder als Auslöser oder als Folgeproblem, Kontakt zu Drogen, also Tabak, Alkohol oder schlimmeres.
  • Weniger als ein Drittel der depressiven Jugendlichen bekommen Hilfe von Ihren Eltern.

Hat die Pädagogik versagt? Der Rückschluss wäre vermessen, aber auch unsere Sicht von pädagogischen Zielen muss sich dem Dilemma stellen.

(Quelle:http://www.info-depressionen.de/jugendliche-depressionen/Depressionen-bei-Jugendlichen-pubertaet.shtml)

Wenn wir nicht lernen wollen, wie wollen wir es von unseren Kindern erwarten?

Bevor wir die Viren entdeckten, war uns unklar, wie z.B. Erkältungen entstehen. Depression entsteht nach bisheriger Erkenntnis nicht durch einen physischen Virus, tritt aber immer wieder in bestimmten Zusammenhängen auf, und die Pubertät ist natürlich eine herausfordernde Zeit – für die Eltern, für die Pädagogen und – vor allem für die Kids. Der oben zitierte Artikel  beschreibt den Umgang mit der Angst als eine der wichtigen Ursachen. Angst ist eine der 7 Basis-Emotionen, vor der man nicht weglaufen darf, die aber gar nicht so einfach in den Griff zu bekommen ist. Emotionale Unabhängigkeit liefert einen Ansatz pro-aktiv mit der Angst umzugehen.

Wenn ich zurückdenke, an meine Jugend und Kindheit, dann gab es einige menschliche Felsen in der Brandung meiner Pubertät. Die lagen vor allem außerhalb meiner Familie. Auch andere Menschen, mit denen ich im Rahmen der Emotionalität über die Kindheit spreche, erzählen mir von solchen Begegnungen.

Das sind Menschen, die ganz entspannt und selbstverständlich an das Leben und seine Möglichkeiten glauben, die mir die Zuversicht gegeben haben, dass ich mein Leben zu einer erzählenswerten Geschichte machen kann.

In der Reflektion: das waren Menschen von hervorragender emotionaler Kompetenz. Bei ihnen war die Mischung der Basisemotionen so authentisch und gelebt, dass es für mich, ohne viele Worte, ganz empathisch, möglich war, diesen Mut zur eigenen Gestaltung aufzunehmen, und meine Neugier zu nutzen.

Zeit für neue Lern- und Gestaltungsräume

… wo diese Kompetenz und Empathie den Kindern in ihrer Entwicklung zur Verfügung gestellt werden, und freue mich sehr über jeden Kontakt zu Pädagogen, die Lust haben, Emotionale Unabhängigkeit zum ganz selbstverständlichen begleitenden Ziel ihrer Erziehung und Grundlage ihrer Pädagogik zu machen.

Emotional_pedagogy_ThumbVon diesem Ansatz sind auch viele andere Phänomene berührt, dazu gehören ADS,  Hochsensibilität und intellektuelle Hochbegabung, aber genauso auch Alltäglichkeiten wie Konfliktfähigkeit, Teamarbeit und letztlich auch die Effizienz und Nachhaltigkeit des Lernens.

Hier finden Sie unseren Flyer zu Thema Emotionen_und_Paedagogik

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